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Besteigung Rinjani: Erfahrungsbericht

Besteigung Rinjani

Die geführte Besteigung des Vulkan Rinjani auf Lombok dauerte insgesamt 4 Tage und 3 Nächte. 2 Nächte davon verbrachten wir direkt auf dem Vulkan. Mein Freund und ich hatten das Glück, dass wir über einen Bekannten den Kontakt zu einem einheimischen Guide auf Lombok herstellen konnten. Dieser ist mehrmals pro Woche mit kleinen Gruppen auf dem Vulkan unterwegs und konnte uns bei der Organisation helfen. Wir schrieben fleißig E-Mails bis wir uns bezüglich Ablauf und Preis einig waren.

Besteigung Rinjani: Schwierigkeitsgrad

Zu Beginn eine Info zum Schwierigkeitsgrad des Rinjani. Bevor wir dorthin flogen, fiel es mir schwer, herauszufinden, ob der Vulkan leicht oder schwer zu besteigen ist. Jetzt kann ich euch mehr sagen. Ich persönlich bin nicht wirklich eine Sportskanone und mache lange Wanderungen fast nur im Urlaub. Am Anfang ist es schon hart, doch ich habe den Eindruck, dass mein Körper sich mit jedem Meter angepasst hat und es mir immer leichter fiel. Ich denke, man sollte kein absoluter Sportmuffel sein und sich vor allem in sehr unwegsamem Gelände sicher fühlen. Dann kann man den Vulkan schaffen. Zur Not macht man nur Tag 1 und geht dann wieder runter.

Sicherheit auf dem Berg

Beim Thema Sicherheit waren wir sehr überrascht. Obwohl viele Touristen den Berg erklimmen, gibt es kaum Sicherungen. Vor allem beim Abstieg in den Krater an Tag 2 auf dem Berg, hatte ich zwischenzeitlich mit den steilen Wänden zu kämpfen. Es kommt wohl manchmal vor, dass Personen abrutschen und abstürzen. Man sollte sich der Gefahr durchaus bewusst sein und jeden Schritt bewusst gehen.

Ablauf Besteigung Rinjani

Als wir auf Lombok ankamen, holte uns der Guide am Flughafen ab und brachte uns zu einer kleinen und sehr einfach gehaltenen Lodge direkt am Fuße des Vulkans. Von dort aus starteten wir am nächsten Morgen sehr früh.

Tag 1 auf dem Vulkan Rinjani

Früh am Morgen gab es Frühstück in der kleinen Lodge. Es war noch ziemlich kalt und ich zog mich warm an. Völlig unnötig, wie sich schnell herausstellte, denn sobald die Wanderung los ging und die Sonne ein wenig herauskam, wurde es warm.

Nach dem Frühstück brachen wir auf. Unser Guide und 3 weitere Männer waren nur für meinen Freund und mich dabei – 1 Koch und 2 Träger, die Wasser, Essen, Zelte, etc. trugen. Wir hatten eine tolle Truppe, die unglaublich fit und immer guter Laune war. Es ist beeindruckend, wie schnell unsere Helfer den Berg hinaufflitzen, trotz des schweren Gepäcks. Wir kämpften manchmal, obwohl wir nur unsere kleinen Rucksäcke mit unseren persönlichen Dingen dabei hatten.

Kleine Info am Rande: Unser eigentliches Gepäck ließen wir am Fuße des Berges bei der Familie eines Trägers. Nach der Tour wurde es uns wiedergebracht.

So ging die Wanderung also los. Zu Beginn war es noch recht angenehm, nicht allzu steil, und tolles Wetter. Wir waren gut drauf und kamen gut voran.

Es wurde schnell wärmer, doch die ersten Stunden war der Aufstieg gut machbar. Immer wieder machten wir kurze Stopps um zu trinken und den ein oder anderen Snack zu essen. Auf Toilette mussten wir eher selten, obwohl wir literweise Wasser pro Tag getrunken hatten. Und wenn man dann doch mal musste, dann blieb auf dem Weg nach oben nur der Busch. Man sollte also flexibel sein, wenn es um die Wahl der Toilette geht.

Nach ca. 4 Stunden machten wir die erste größere Pause. Unsere lieben Helfer haben eine kleine Plane gespannt und in einem Wok Gemüse und Fleisch frisch zubereitet. Das Mittagessen war super und gab uns erneute Kraft, denn es lag noch ein langer Weg vor uns bis zum Camp am Kraterrand.

Noch ca. weitere 3 bis 4 Stunden war der Weg nach oben nicht allzu steil, doch dann zog es an und der Boden wurde immer staubiger. So langsam wurde der Weg beschwerlich.


Tipp: Nimm dir auf jeden Fall einen Mundschutz mit, der dich vor dem extremen Staub weiter oben auf dem Berg schützt.


So langsam ging es dann ans Eingemachte. Wir waren bereits um die 8 Stunden unterwegs. Die Kante des Kraters wirkte zum Greifen nah. Dort wartete unser Lager auf uns. Doch man täuscht sich stark in den Entfernungen, wenn es steil bergauf geht. Der Körper benötigte immer häufiger Pausen und oft blieb ich alle 3 bis 4 Meter wieder stehen um durchzuatmen und zu trinken. Stück für Stück kämpft man sich den Berg hoch und kann dabei eine atemberaubende Aussicht genießen. Es ist ein tolles Gefühl, gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen.

Besteigung Rinjani
Tag 1 auf dem Vulkan Rinjani

Der Boden wurde immer staubiger und das letzte Stück wirklich steil, doch wir gaben nicht auf. Erstaunlicherweise hatte ich auf den letzten Metern noch einige Kraftreserven. Nach insgesamt 9 bis 10 Stunden
Wanderung kamen wir endlich am Kraterrand an. Man wartete dort schon mit gekühltem Bier auf uns 🙂 Die Aussicht war herrlich. Wir waren hundemüde, aber stolz und glücklich, dass wir es bis hier her geschafft
hatten.

Leider muss ich euch sagen, dass der Vulkan auf dieser Strecke sehr häufig und Tag für Tag von vielen Touristen bestiegen wird. Entsprechend sieht der große Lagerplatz und alles drum herum auch aus. Viele Menschen lassen Toilettenpapier, Müll und anderes herumliegen. Ich war ziemlich geschockt. Es fehlt auch bei vielen Guides noch das Bewusstsein, dass der Müll wieder mit runtergenommen werden muss. Es ist zwar schade, aber ich möchte, dass ihr euch dessen bewusst seid, wenn ihr den Rinjani besteigen wollt.


Tipp: Nehmt den Plastikmüll wieder mit runter, soweit ihr könnt. Wir hatten dafür Müllbeutel mit und haben auch Toilettenpapier etc. wieder mitgenommen. Natürlich kann Papier auch am Lagerfeuer verbrannt werden, doch leider wird auch Plastik verbrannt.


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Als unsere Träger auch am Krater ankamen, bauten sie unser Zelt auf und bereiteten das Abendessen für’s Team vor. Es gab, wie bereits am Mittag, leckeres Essen, doch mein Freund und ich waren so müde, dass wir noch nicht einmal mehr essen konnten. Das war leider ein Fehler, was wir am nächsten Morgen herausfanden.

Tag 2 auf dem Vulkan Rinjani – die Gipfelbesteigung

Nach einer kurzen und vor allem auch kalten Nacht, wurden wir um 2:30 Uhr von unserem Guide geweckt. Der Gipfel wartete auf uns. Wir hatten nachts kaum ein Auge zugemacht, denn es war sehr kalt und trotz Skiunterwäsche, war uns nicht warm genug. Wer möchte und kann, sollte einen wärmeren Schlafsack mitbringen. Die geliehenen Schlafsäcke waren mir persönlich zu kalt. Der Schlafsack sollte für Minusgrade ausgelegt sein, denn nachts wird es auf dem Berg sehr kalt. Allerdings sollte man dies vorab klären, damit klar ist, ob der Schlafsack getragen wird oder ob man diesen selber tragen muss.

Es gab also kurz Frühstück mit Kaffee, und dann ging es in der absoluten Finsternis los. Mehrere hundert Menschen krochen langsam aus den Zelten und machten sich im Entenmarsch auf den Weg. Es herrschte extreme Stille, denn vermutlich kämpft jeder mit der Uhrzeit und den kalten Temperaturen.


Tipp: nimm dir auf jeden Fall eine Headlight mit, denn deine Hände wirst du für die Besteigung benötigen.


Gleich zu Beginn wurde es steil. Wir kletterten über Steine und warteten extrem tiefen Boden, der hauptsächlich aus Vulkangestein bestand. Das hatte den Effekt, dass man 1 Schritt nach vorne machte, und gefühlt 2 Schritte wieder herunterrutschte. Es war sehr anstrengend und ich muss gestehen, dass ich fast aufgegeben hätte. Doch unser Guide und mein Freund motivierten mich, sodass wir es bis auf das nächste Plateau schafften. Ich merkte leider so langsam, dass ich am Abend zuvor nichts gegessen hatte, denn mein Akku wurde schnell leerer und ich hatte mit Übelkeit zu kämpfen.

Auf dem Plateau konnte ich nur noch einen kleinen Schritt vor den anderen setzen. Ich war wirklich schlapp. Nach ein paar hundert Metern standen wir dann vor dem finalen Anstieg zum Gipfel, von wo aus wir den Sonnenaufgang beobachteten wollten. Doch ich konnte nicht mehr, denn mir war unheimlich schlecht. Also beschlossen wir schweren Herzens, den Aufstieg abzubrechen und dort zu bleiben, wo wir waren.

Wir machten ein kleines Lagerfeuer, denn es war noch immer sehr kalt. Umso glücklicher waren wir als nach ca. 1 Stunde die Sonne langsam aufging und uns wärmte. Es war der tollste Sonnenaufgang, den ich je gesehen hatte. Und obwohl wir nicht auf dem Gipfel standen, konnten wir den Moment in vollen Zügen genießen. Und wir hatten einen Vorteil: Oben auf dem Berg standen hunderte Menschen, doch wir hatten den Moment ganz für uns alleine. Ich war also garnicht so traurig, dass wir nicht ganz oben waren.

Sonnenaufgang Rinjani
Tag 2 – Sonnenaufgang auf dem Rinjani

Wir blieben ca. 1 Stunde oben auf dem Berg und stiegen dann, ebenfalls alleine und vor den anderen, wieder ab zum Krater-Lager. Auf dem Weg wurde mir klar, wie anstrengend der Weg nach oben eigentlich gewesen ist. Zurück im Lager gab es Frühstück und dann schliefen wir erstmal ein wenig.

Gegen späten Vormittag weckte uns unser Guide, denn es ging auf die nächste Etappe, hinab zum Kratersee ins nächste Camp. Ich hatte wieder Kraft getankt und war guten Mutes. Doch als ich sah, wie steil und schwierig der Abstieg wurde, zweifelte ich tatsächlich, ob es nicht besser sei, den Weg von Tag 1 einfach wieder runterzugehen und den Trip damit abzubrechen. Doch ich sammelte mich und wir starteten den Abstieg. Mithilfe von Stöcken, die mir Halt gaben, ging es einige Stunden bergab bis zum Kratersee. Dort schlugen wir das nächste Lager auf und konnten uns in den heißen Quellen des Vulkans baden gehen.

Heiße Quellen Rinjani
Heiße Quellen auf dem Rinjani

Erneut gab es zum Abendessen ein gesundes und frisches Gericht unseres Kochs und wir genossen gemeinsam den Abend am Kratersee, den rauchenden Kern des Vulkans direkt vor uns. In dieser Nacht schliefen wir deutlich besser, denn es war nicht mehr so kalt wie am Kraterrand. Wir hatten einen tollen Abend mit unserem Helferteam und erzählten uns Geschichten.

Übernachtung Rinjani
Übernachtung auf dem Rinjani

Insgesamt waren in diesem Lager bei weitem nicht mehr so viele Menschen wie in Lager 1. Die meisten steigen die Route vom ersten Tag auch wieder ab und kürzen die Tour damit um 2 Tage.

Tag 3 auf dem Vulkan Rinjani

Am dritten Tag ging es erneut früh am Morgen los. Wir hatten heute wieder eine sehr lange und auch die letzte Etappe vor uns. Zunächst ging es um den Kratersee und dann auf der anderen Seite wieder hinauf zum Krater. Erneut ging es steile Wände hinauf. Jedoch fiel es mir an diesem Tag erstaunlich leicht, denn mein Körper hatte sich anscheinend mittlerweile auf das Wandern eingestellt.

Vulkan Rinjani
Kratersee auf dem Vulkan Rinjani

Wir hatten tolle Aussichten auf den Kratersee und die umliegende Natur. Die Sonne schien den ganzen Tag. Am Kraterrand angekommen, standen wir über den Wolken und konnten die umliegenden Inseln sehen. Es war herrlich. Bis dorthin waren wir sicherlich schon gute 4 Stunden unterwegs. Danach ging es dann nur noch bergab.

Landschaftlich begann für mich nun der schönste Teil des Abstiegs. Es begann mit trockenem Gelände, das sehr staubig war. Anschließend wurde der Berg immer grüner bis wir sogar in einen feuchten und kühlen Nebelwald kamen. Wir sahen Affen und einige andere Tiere. Erneut gab es tolles Essen von unserem Koch.

Nebelwald Rinjani
Nebelwald auf dem Rinjani

Dieser Tag war mitunter der längste auf dem Vulkan. Wir starteten morgens ca. um 7:00 Uhr und waren bis zum Sonnenuntergang unterwegs – erst bergauf , und dann bergab. Ich merkte, dass ich die letzten Stunden mit meiner Kraft kämpfte, denn vor allem meine Knie taten weh und ich konnte kaum noch laufen . Das hört sich dramatisch an, aber es war nichtsdestotrotz, und mit all den Anstrengungen und Schmerzen, eine der tollsten Abenteuererfahrungen, die ich bisher erlebt habe. Man überwindet seinen inneren Schweinehund und besiegt den Berg. So in etwa lässt sich das unglaubliche Gefühl beschreiben.

Nach viele Stunden Wanderung an diesem Tag kamen wir kurz vor Sonnenuntergang am Fuße des Berges an. Völlig fertig und dreckig, aber unfassbar zufrieden und glücklich. Wir beschlossen spontan, dass wir nun Erholung bräuchten. Wir nahmen uns ein Speed-Boat und fuhren direkt auf die Gili-Inseln und ließen das gerade Erlebte sacken.

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